Der Lauf


13.10.2019 - Marathon- Tag! 

Mitteldeutscher Marathon 

 

Vorher

Bereits am Samstag sind 20 Leute der „Reisegruppe Schlemmerblock“ nach Leipzig gefahren. Einchecken , Überblick verschaffen , Biergarten , Startunterlagen abholen, Kohlenhydrate auffüllen , früh schlafen gehen - so verlief unser erster Tag in Leipzig. 

 

Viele haben mich gefragt ob ich fit bin. 

Meine Antwort darauf : Ja eigentlich schon ! Ich habe mich schlapp gefühlt. Es aber als normal empfunden durch das wochenlange Training und die anschließende Regenerationsphase in der der Körper erstmal wieder zur Ruhe kommt und merkt was er geleistet hat in der letzten Zeit. 

 

Wettkampftag:

6:30 Uhr - Frühstücken. Aufregung! Adrenalin! Vorfreude! 

7:30 Uhr - Abfahrt zum Start in Leipzig. 

 

Was ist mir dort in Erinnerung geblieben ? 

Die schlechte Organisation der Toiletten. 

Viel zu wenig. Gut das ein Busch in der Nähe war und ich gelernt habe sowas locker zu nehmen ;) 

 

Kurz vor 9 Uhr - schnell von den Fans verabschieden. Sie sehe ich erst in Halle wieder, da sie unseren einzigen Halbmarathoni nach Halle bringen und dort auf uns Marathonis warten werden. 

Und noch den anderen Marathonis bzw Staffelläufern Tschüss sagen. 

Ich habe mich weiter vor gewurschtelt. 

Ich wusste das der Weg relativ eng am Anfang ist, sodass überholen schwierig werden könnte. 

 

Der Start:

9 Uhr - Startschuss. 

Los geht’s!!! 

42,195 km von Leipzig nach Halle - von Sachen nach Sachsen- Anhalt! 

 

Die km liefen richtig gut. 

Meine geplante Pace von 4:59 min / km habe ich stabil gehalten. Immer im Blick hatte ich den Pacemaker 3:29 h. 

Die ersten 12 km gingen immer gerade aus am Wasser entlang.  Hier war auch die erste Wechselstelle der Staffel-Läufer. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir noch richtig gut und es hat super viel Spaß gemacht. 

 

Ab in den Wald hieß es dann. 

Untergrund - Wechsel! Nicht ganz optimal ehrlich gesagt - hier war absolute Konzentration angesagt. 

Der Boden war sehr uneben was dadurch anstrengend für die Füße wurde. 

Positiv war das es im Wald allerdings mal windstill war und endlich Schatten. 

 

Ab ca. km 16 ging es wieder zurück ans Wasser. 

Hallo blauer Himmel - Hallo pralle Sonne - Hallo Wind!  Bis km 20 haben ich weiterhin meine geplante Pace durchgehalten. Straight gerade aus - das Ziel im Fokus. 

 

Der Einbruch:

Aber eine Sekunde kann alles verändern!!!

Das dies bereits bei km 20 gekommen ist konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht erklären. Der Mann mit dem Hammer kommt doch eigentlich erst später. 

 

Es war klar - es stimmt etwas nicht mit mir. 

Ich wusste - es ist vorbei ! Da geht rein gaaaar nichts mehr! 

Ich habe immer mal Einbrüche bei Läufen gehabt,  aber sonst fange mich schnell wieder. 

Aber hier war ich mir sofort sicher , das ist kein normaler Einbruch wie sonst. 

Ab jetzt begann ein innerlicher Kampf, den ich vergleichen kann mit km 80 in Biel. 

Absolute Überforderung! 

Ich habe mich von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation gehangelt. 

Ich habe unglaublichen Durst gehabt. 

Sonne und Wind haben mich immer weiter Kraft gekostet.

Aber ich konnte nicht glauben das alleine das Wetter für diese Katastrophe schuld sein sollte. Das hätte vielleicht paar Minuten ausgemacht aber nicht das was da los war. 

 

„Anna - bei der nächsten Wechselstelle der Staffelläufer grob bei km 32 steigst du aus, wenn das geht“!

Das war der Plan. Km für km habe ich mich immer wieder umentscheiden - aussteigen - weiterlaufen - doch aussteigen ? 

Und dann kam km 32! Diese 12 km bis dahin waren die reinste Qual und ich wusste es wird nicht mehr besser. 

Aber genau dort habe ich mich dazu entschieden das Ding zu Ende zu laufen. Das bin ich denen im Ziel schuldig die da gerade alle auf mich warten. Das bin ich mir am Ende selbst schuldig. 16 Wochen Training sollten nicht ganz umsonst gewesen sein.

Ich bin nach Leipzig gekommen um von dort nach Halle zu laufen und nicht mit dem Bus zu fahren! 

 

Also habe ich ab dann bei jeder Verpflegungsstation sogar angehalten und habe mir Zeit gelassen diesen Durst irgendwie zu stillen und mich gesund ins Ziel zu bringen. Sicher ist sicher! 

Um mich herum muss ich ehrlich gesagt zugeben ging es sehr sehr vielen genauso. Unheimlich viele sind gegangen, was ich so bei dieser Zielzeit nicht kannte.  

 

Was dann noch kam war keine schöne Strecke.

Ein Wohngebiet , eine gemeine Brücke , der Hauptbahnhof von Halle - aber dann endliiiich ab Richtung Altstadt. 

Das war definitiv die schönste Stelle. Yuhuu - Zivilisation und meine Leute am Streckenrand :) Darauf habe ich mich gefreut. 

 

Das Ziel : 

Und da war er : Der Zielbogen in Halle :) 

42,195 km in 3:47:33 h! Ich hab’s geschafft !!! Ich habe mich ins Ziel gekämpft und gefinisht. Darauf bin ich stolz. 

 

Medaille einsammeln - und dann schnell die Tasche holen. Ich habe gespürt hier stimmt was nicht und da kommt noch irgendwas. 

 

Am Ende habe ich es gerade so noch zu meinen Leuten geschafft bis mein Kreislauf komplett versagt hat. 

Ich kann mich nicht mehr 100 % erinnern. Da saß ich nun auf der Straße , meine Augen seien raus gequollen - meine Beine fleckig geworden.  Meine Finger haben unglaublich gekribbelt. Ich habe angefangen zu hyperventilieren. 

Eine Apfelschorle hat es schnell gerettet. Einen Sanitäter wollte ich in dem Moment nicht. 

 

Alles wieder gut - jetzt die restlichen Läufer von uns anfeuern und nicht weiter darüber nachdenken =) 

Gefinisht haben alle von uns :) Darauf können wir sehr stolz sein wie ich finde. 

 

Mein Fazit: 

Die Organisation war super (bis auf die Toiletten am Start), Verpflegungsstationen gab es genug , Zuschauer fast keine , die Strecke nicht so einfach wie gedacht, schönes Wetter für die Fans aber nicht für Läufer,  es war nicht mein Tag, meine Zielzeit habe ich nicht erreicht, gefinisht habe ich und auch trotzdem eine knappe neue Bestzeit. 

9. von 80 Frauen - Top 10 immerhin - das muss ich mal erwähnen =) 

3:34 h ist die schnellste Frau gelaufen. Keine Bestzeit Strecke wohl. 

 

Nachtrag: 

Ich bin krank! Ich habe einen Infekt. 

Den ich laut Arzt sicher bereits seit 1-2 Wochen mit mir rumschleppe. 

Das ich damit einen Marathon gelaufen bin habe ich mal verheimlicht ;) Das hätte er sicher nicht so lustig gefunden. 

Es erklärt aber eventuell warum ich vorher schon so schlapp war und was da ab km 20 passiert ist. 

Eine genaue Erklärung wird  man bei sowas nie bekommen. 

Aber Hinfallen - aufstehen - Krone richten - weiterlaufen! 

 

Wie ich damit umgehe? 

Enttäuscht war ich! Das gebe ich zu! Die 3:30 h hätten drin sein müssen. 

Chance vertan! Bei einem Marathon kann man es leider nicht direkt noch einmal versuchen. 

Die Umstände haben es nicht erlaubt. Es war nicht mein Tag. 

Am Ende bin ich froh das ich gefinisht haben.

 

Jetzt werde ich erstmal ein paar Tage regenerieren. 

Anna laeuft weiter und gibt nicht auf, denn dafür macht mir das laufen viel zu viel Spaß =) 

 

Nach dem Lauf haben wir noch weitere 2 Tage in Leipzig verbracht. Das hat meine Enttäuschung komplett vergessen lassen. Hier ging es einfach um Spaß ;) Wir hatten traumhaftes Wetter und eine super schöne & lustige Zeit in Leipzig. Unsere gemeinsame Laufreise ist und bleibt immer wieder ein Highlight. 

 

Und wo geht es nächstes Jahr zur Laufreise? 

REGENSBURG 

24.5.2020 

 

 

 

 

Kommentare: 1
  • #1

    Stefan (Freitag, 18 Oktober 2019 19:15)

    Super!
    Das liest sich wieder super, man kann so richtig nachvollziehen wie der Lauf war!�
    Sehr geile Zeit! Und das trotz einem Infekt!
    Was geht ab wenn du Gesund bist?�
    #annalaeuftalsweiter
    #annaschreibtbestimmtmaleinbuch